Die Aufklärung im Fasttrack

Die Aufklärung im Fasttrack

Die Aufklärung im Fasttrack braucht einen Paradigmenwechsel gegenüber dem, wie viele Impfzentren gebaut sind. Wir wollen schnell impfen, wir wollen effizient impfen und wir wollen die Pandemie eindämmen. Es gibt Patienten mit mehr Gesprächsbedarf, die werden im Standardprozess gut behandelt. Der Fasttrack ist Tempo für die, die Tempo können und wollen. Die Angestellten des Gesundheitswesens, Heimpfleger, andere, die sich ihrer Entscheidung sicher sind.

Ich plädiere hier nicht dafür, dass die Ärzte gar kein Gespräch führen. Das Gespräch soll gar nicht über die Maßen verkürzt werden. Gerade die Frage nach bekannten Allergien sollte z.B. auch noch aktiv gestellt werden. Es ist aber so, dass wir viele Menschen beim Impfen haben, die kaum oder wenige Gesprächsbedarf haben. Das gilt es auszunutzen.

Denn wenn ein Aufklärungsgespräch nur 30 sec dauert, weil vom Patienten kein Interesse oder Bedarf besteht, dann fahlen die Zeiten für Nummer aufrufen, herein bitten, Tür schließen, hinsetzen, begrüßen, verabschieden, aufstehen, herausgehen, Tür hinten schließen, dann fallen diese Zeiten schon richtig ins Gewicht.

Und da setzt das Fasttrack-Konzept an. Die Station Aufklärung wird nicht wie eine karge Artzpraxis sondern wie eine Passkontrolle eingerichtet. Fokus auf genug Privatsphäre durch Abstand, Fokus auf schnellen Wechsel. Wenn der Patient da ist, wird sich die Zeit genommen, die Aufklärung zügig aber nicht zu schnell zu machen. Wenn es 30 s dauert, gut, wenn es 3 min dauert ist das im Einzelfall kein Beinbruch.

Und wenn wir nicht nur an die Passkontrollen im europäischen Schengenraum denken, sondern z.B. an die Einreisekontrollen in den USA, dann wissen wir, dass mit diesem Aufbau durchaus intensive Gespräche und schneller Durchsatz kombiniert werden können.

Wie sieht das konkret aus? Die Station wird offen betrieben. Offener Eingang und offener Ausgang. Blickkontakt zur Warteschlange. Genug Abstand für die Privatsphäre, nah genug, dass der Wechsel schnell von statten geht.

Dazu reichen Trennwände zwischen den Stationen nach rechts und links. Ein Stehtisch (aus dem Partyverleih) als einziges Möbel. Das wäre die Minimalvariante. Es geht auch mit einem Tresen und einer Stehhilfe oder einem Stuhl für die Ärztin. Etwas Komfort schadet hier nicht, die hohe Taktung auch mental durchzuhalten.

Wichtig ist der Fokus auf geringen Aufwand durch den Wechsel. Blickkontakt zur Warteschlange erlaubt, den nächsten heranzuwinken, statt eine Tür öffnen zu müssen und jemanden hereinzubitten, oder über ein elektronisches System eine Nummer aufzurufen. Bei den kurzen Gesprächen fällt jede Sekunde Wechselzeit mehr ins Gewicht als bei längeren Gesprächen, weil in einer Stunde mehr Gespräche stattfinden.

Aufklärung im Stehen nimmt den Zeitbedarf für hinsetzen, aufstehen. Auch ist ein Gespräch im Stehen kürzer. Die notwendigen Themen werden besprochen, aber das Gespräch wird nicht ausgedehnt.

Die Unterlagen sind auf dem Klemmbrett, damit sind sie gleich zugänglich und werden nicht erst aus der Tasche geholt. Auch das spart Zeit. Es sind die kleinen Dinge.

Etwas weniger intuitiv ist, dass die Aufklärung auf Papier stattfinden sollte und der aufklärende nicht in einem Computersystem dokumentieren sollte. Das kostet Zeit, viel Zeit. Der Datensatz muss aufgerufen werden, Eintragungen gemacht, wieder gespeichert. Papier, ein paar Häkchen in Kästchen, eine Unterschrift ist robuster, schneller und hier das Mittel der Wahl. Falls wirklich dokumentiert werden muss, werden im Nachgang die Bögen eingescannt und per Texterkennung die Marker ausgelesen. (Das kann auch noch Wochen später gemacht werden und muss nicht sofort verfügbar sein.)

Die Wände zwischen den Aufklärungsstationen sind für die Privatsphäre wichtig. Hoch genug, schalldämmendes Material, eventuell mit Dach drüber reichen für den Schallschutz aus und stehen dem Prozess nicht im Weg.

Abfluss der Patienten zur Impfstation.

Nochmal, es geht nicht darum, das Aufklärungsgespräch schlecht oder gar nicht durchzuführen. Es geht darum anzuerkennen, dass etliche Aufklärungsgespräche schnell gehen und diese Tatsache für einen hohen Durchsatz auszunutzen.

Der Fasttrack-Prozess muss nicht alle Fälle abdecken. Wenn ein Gespräch länger dauern sollte oder mehr Privatsphäre gebraucht wird, kann einfach in den normalen Prozess ausgewichen werden. Der Fasttrack entlastet den Regelprozess dadurch, dass viele Fälle bearbeitet werden, so dass der Standardprozess mehr Zeit für solche Fälle bekommt.

Ich komme gerne zu Ihnen und baue diesen Prozess bei Ihnen auf. Da er sehr einfach ist, reicht meist eine oder zwei Stunden für den Aufbau, danach wird schon Erfahrung im Betrieb gesammelt und sie können entscheiden, wie Sie die gewonnene Kapazität einsetzen. Entlastung der Mitarbeiter, mehr Impfungen, weniger Kosten. Sie haben dann die Wahl.

Dies ist Teil einer Reihe über den Fasttrack-Prozess. Weiter geht es mit Der Überwachungsbereich und Ausgang im Fasttrack, der auch größere Änderungen braucht, um hohen Durchsatz zu erlauben.